Das Bayerische Spielearchiv Haar e.V. entstand aus der Sammlung von Tom Werneck, einem der Gründer der Jury „Spiel des Jahres“, der über dreißig Jahre lang Mitglied dieses Gremiums war. Durch die erfolgreiche Juryarbeit und seine vielen Veröffentlichungen von und über Spiele stapelten sich die Spieleschachteln in Wernecks Haus bald in jeder Ecke. Selbst hinter den Vorhängen im Wohnzimmer standen Türme aus Brettspielen.

30 Jahre bayerisches SpielearchivDiesen Zustand wollte Margot Werneck nicht länger hinnehmen und stellte ihrem Mann ein Ultimatum: „Die Spiele oder ich!“ Daraufhin sprach Tom Werneck mit dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde Haar, Helmut Dworzak, ob die Gemeinde nicht mit Archivräumen helfen könne. So begann in zwei Räumen im Keller des Rathauses die Geschichte des Archivs und die Ehe war gerettet!

Und es werden immer noch mehr Spiele...

Nach einigen Jahren waren auch diese Räume bis zur Decke mit Spielen gefüllt, so dass Tom Werneck erneut mit dem Bürgermeister sprach. Bei der Übergabe des zweiten Standorts in der Tierklinik Haar meinte Helmut Dworzak: „Das ist jetzt wirklich das allerletzte Mal, dass Du mehr Platz bekommst! Und wenn Du mehr brauchst, melde Dich rechtzeitig!“.

Besonderer Dank gilt hier den verschiedenen Bürgermeistern der Stadt Haar, die das Archiv immer wieder tatkräftig unterstützt haben, um den großen Raumbedarf zu decken.  Mittlerweile ist mit der Casinostraße 10 der dritte und bisher größte Standort dazugekommen. Aktuell sind nun auf mehr als 1.000m Regalfläche knapp 20.000 Spiele und 4.500 Fachbücher untergebracht.

Was wären Spiele ohne Autoren?

Von Anfang an war es ein erklärtes Ziel des bayerischen Spielearchivs, Spieleautoren zu fördern. So veranstaltetet das Spielearchiv jährlich die internationale Spieleerfindermesse, bei der Spieleautoren die Gelegenheit haben, ihre Prototypen Redakteuren vorzustellen. Diese Messe fand zunächst in Haar statt und konnte seit 2021 in Kooperation mit der Messe Nürnberg auf die große Spielwarenmesse verlegt werden, wodurch die Autoren noch mehr Redakteure treffen können.

Spiele sind zum Spielen da

Mit der Gründung des Archivs begann die lange Tradition der öffentlichen, kostenlosen Spieleabende, die die Mitglieder unermüdlich organisieren. So hat der Spieleabend in Haar vor Kurzem sein 750. Jubiläum gefeiert und der Aschheimer Spieletreff, den Chris Mewes ins Leben gerufen hat, fand schon mehr als 700-mal statt! Ebenso entstanden in Würzburg, Bad Aibling, Karlsfeld und - ganz neu - in Gars am Inn entsprechende Spieleveranstaltungen durch den Einsatz des Archivs. Für die Münchner Spielwiesn setzte Tom Werneck ebenfalls Impulse und viele der Spieleerklärer der ersten Stunde rekrutierten sich aus den Besuchern unserer Spieleabende.  

Spiele in der Wissenschaft

Das Archiv leistet einen kontinuierlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung. Es stellt seine Bibliothek und seine Spiele sowie Material und die Fachkompetenz seiner Mitglieder zur Verfügung. 2025 promovierte Tom Werneck über die Evolution des modernen Brettspiels in Deutschland ausgehend von traditionellen Nachkriegsspielen bis zur Jahrtausendwende. 2012 war das wissenschaftliche Symposium „Board Game Studies“ nach Stationen wie Paris, Tel Aviv, Rio de Janeiro oder Brügge im Spielearchiv in Haar zu Gast.

Spiele als Kulturgut

Nicht nur die Spieleabende, sondern auch verschiedenste Ausstellungen über Spiele bereichern seit vielen Jahren das Haarer Kulturleben. Neben der jährlichen Ausstellung in der Vorweihnachtszeit zu empfehlenswerten Spielen werden immer wieder Themenausstellungen gezeigt, oft in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei, wie z.B. Spiele zum Luther-Jahr oder Literatur im Spiel. Auch beim bundesweiten Tag der Archive öffnet das Spielearchiv regelmäßig seine Tore.

Doch damit nicht genug: Durch den unermüdlichen Einsatz von Tom Werneck hat die Stadt Haar mit dem Archiv seit 2019 nicht nur eine Institution auf der bayerischen Liste „Best Practices“ des Immateriellen Kulturerbes, sondern seit 2025 auch auf der deutschen Liste für „Brettspiele spielen – Brettspielkultur in Deutschland“. Mit regelmäßigen Zeitungskolumnen, Rundfunk- und Fernsehinterviews, Podcasts und Internetbeiträgen sorgen die Mitglieder des Archivs dafür, dass Brettspiele mediale Aufmerksamkeit bekommen und als Kulturgut wahrgenommen werden.

Auf die nächsten 30 Jahre!

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